“Schwerster Ausbruch in Europa” – Erkrankungen und Todesfall durch Stäbchenbakterien in Köln

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Beispiele von Bakterien in Petrischalen, Sofia, Bulgarien, 9. Juni 2011

Die Staatsanwaltschaft ermittelt, nachdem in einer Radiologiepraxis 28 Personen womöglich durch gefährliche Bakterien erkrankten und ein Mann verstarb. Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhygiene spricht vom “schwersten Ausbruch mit diesem Erreger” in Europa.

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Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene fehlt es an einem vergleichbaren Fall innerhalb Europas, bislang sei “kein schwererer Fall beschrieben worden”. Es handele sich um den “schwersten Ausbruch mit diesem Erreger in einer ambulanten medizinischen Einrichtung überhaupt”. Es handelt sich um das Bakterium Pseudomonas aeruginosa, ein Stäbchenbakterium, gegen das kein Antibiotikum hilft. Es ist auch als Krankenhauskeim bekannt und kommt in feuchten Milieus vor, selbst in destilliertem Wasser kann es überleben. Die betroffenen Personen der Kölner Radiologiepraxis, aus der die Keime stammen sollen, hatten sich dort Injektionen im Bereich der Wirbelsäule verabreichen lassen. Zunächst hatte der Kölner Stadtanzeiger über die Bakterien berichtet.

Michael Herbrik, der Geschäftsführer des MVZ, der radiologischen Praxis im Kölner Stadtzentrum, in der es zu den Erkrankungen gekommen sein soll, kommentierte die Ereignisse:

Im Rahmen von CT-gesteuerten periduralen Infiltrations-Therapien ist es in einem Zeitraum von circa zweieinhalb Wochen zu Infektionen mit einem plansensiblen Erreger Pseudomonas aeruginosa gekommen.

Das Bakterium Eleftheria terrae unter dem Mikroskop. Es soll die Basis für ein neues Antibiotikum sein, Massachusetts, USA, 22. November 2016.

Die Staatsanwaltschaft wurde durch die Praxis selbst eingeschaltet, nachdem es zu den Krankheitsmeldungen kam. Die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt seither. Insgesamt wurden in dem betreffenden Zeitraum 297 Menschen mit der Therapie behandelt. Neben 28 erkrankten Patienten gab es einen Todesfall. Der 84 Jahre alte Mann hatte im Rahmen der genannten Therapie eine Spritze erhalten, es gab Komplikationen und eine Not-Operation folgte. Seine Ehefrau sagte:

Als eine Querschnittslähmung drohte, musste mein Mann notoperiert werden.

Eine Betroffene schildert die Symptome nach der Spritze:

Schüttelfrost, Erbrechen und Kopfschmerzen, wie ich sie noch nie gehabt habe (…).

Sie wurde in die Notaufnahme gebracht, nachdem sie nicht mehr richtig sprechen und kaum gehen konnte. Es wurde eine Hirnhautentzündung diagnostiziert, verschiedene Antibiotika wurden gegen die Bakterien in ihrem Körper ausprobiert. Mehrmals kam die Entzündung zurück.

Die Ursache konnte bis jetzt in der Praxis nicht ausgemacht werden. Der Geschäftsführer der Praxis versichert: 

Sofern unseren Patienten durch ein Verschulden der Praxis ein Schaden entstanden ist, werden wir für diesen einstehen.

Originalartikel hier: RT Deutsch

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