Die Iran-Krise – die Maske droht zu rutschen

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(www.conservo.wordpress.com)
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Von Will Cook

 Kiss Clipart CCO Creative Commons

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iranWer schon einmal Karneval am Rhein, insbesondere am Altweiberfastnachtstag erlebt hat, kennt den Effekt der möglichen Ernüchterung bei der Demaskierung. Sind die Masken gefallen sind ist oft auch die Illusion mit geschwunden und Nüchternheit ersetzt die Wunschvorstellung von einem attraktiven Partner.

Der Karneval dauert nur kurze Zeit. In der Politik ist das anders. Hier ist es schon zur langjährigen Gewohnheit geworden, verdeckt zu agieren, seine unlauteren Absichten im Verborgenen zu halten und hinter der Maske des Biedermannes, des Guten sozusagen, zu verschleiern.

Das kann auch lange gut gehen, insbesondere wenn man die Medien kontrollieren und dafür sorgen kann, dass alle als anstößig oder sogar kriminell angesehenen Aktivitäten unter dem Vorwand einer Gefährdung der nationalen Sicherheit geheim gehalten werden können.

Soweit so gut. Die Maske sitzt und die Öffentlichkeit lässt sich leicht, manchmal auch gerne, täuschen. Zumindest solange, bis die Maske einmal verrutscht und ein unerwartet hässliches Gesicht, eine Fratze sogar, sichtbar wird.

Was hat das mit der aktuellen Entwicklung in Mittelost zu tun? Schauen wir mal näher hin:

Die Krise um den Iran spitzt sich seit einigen Tagen zu. Der nationale Sicherheitsberater John Boltons hat erklärt, dass die USA eine Carrier-Strike-Group und eine Bomberstaffel sowie Bodentruppen in die Region um den Persischen Golf entsenden werden.

Dieser Schritt lässt, so wie bei den ähnlichen Vorbereitungen zum zweiten Irakkrieg den Rückschluss zu, dass eine Intervention gegen den Iran bevorstehen könnte.

Zunächst wird eine Drohkulisse aufgebaut, die international den Anschein erwecken soll, als würde man sich oder die Verbündeten gegen die Umtriebe eines Schurkenstaates, damals Irak heute Iran, verteidigen müssen.

Der entscheidende Grund für den endgültigen Angriff wird erfunden, indem man Massenvernichtungswaffen herbeiphantasiert, die der Irak nicht besessen hat oder er wird, in Ermangelung einer auch nur einigermaßen plausiblen Behauptung, selbst geschaffen.

Hauptsache, er entfacht eine ausreichende Empörung, die eine Angriffshandlung als gerechtfertigt erscheinen lassen kann.

Klingt weit hergeholt oder sogar verschwörungstheoretisch?

Werfen wir einmal einen Blick zurück in die jüngere Geschichte auf den Sechs-Tage-Krieg. Auf ein Ereignis, dass vor der Öffentlichkeit weitgehend verborgen gehalten wurde und daher nur noch den wenigsten Beobachtern im Gedächtnis sein dürfte.

Während dieses Kriegs wurde das US-amerikanische Spionageschiff USS Liberty, das in internationalen Gewässern mit einer gemächlichen Geschwindigkeit von fünf Knoten vor der Sinai-Küste schipperte, von der israelischen Luftwaffe angegriffen.

Bei diesem Angriff kamen von den 294 Besatzungsmitgliedern 34 zu Tode und 171 US-Soldaten wurden verwundet. Das Schiff wurde nicht versenkt.

Die israelische Regierung behauptet bis heute, dass es sich um einen bedauernswerten Irrtum gehandelt habe. Ihre Streitkräfte hätten die USS Liberty irrtümlicherweise mit dem ägyptischen Versorgungsschiff El Quseir verwechselt.

Die Regierung in Tel Aviv entschuldigte sich für diesen „tragischen Fehler“ und bot an, für den Schaden aufzukommen. Ohne weitere diplomatische Konsequenzen zeigte sich die Regierung in Washington bereit, Israels Erklärung ohne jedweden Vorbehalt zu akzeptieren und diesen Fall zu den Akten zu legen.

Allerdings gab es Überlebende und diese waren nicht bereit, den von ihrer Administration vorgegeben Weg mit zu beschreiten. Sie behaupten bis heute, dass die israelische Luftwaffe das amerikanische Schiff mit voller Absicht angegriffen habe und dass es das erkennbare Bestreben gewesen sei, es samt Besatzung zu versenken.

Welche Version der Schilderung der Ereignisse trifft zu?

Klarheit erbrachte das im Jahr 2003 erschiene Buch „Operation Cyanide“ des britischen Journalisten Peter Hounam. Der Autor räumt in einer methodisch sauberen und nachvollziehbaren Darstellung der Ereignisse mit der Legende eines Fehlangriffs Israels auf.

Nach seiner Überzeugung versuchen sowohl die israelische als auch die amerikanische Regierung die Wahrheit um den Angriff auf die USS Liberty in einer gemeinsamen Anstrengung zu vertuschen.

Warum gemeinsam? Warum hat es keine Strafaktion der USA gegen diesen kriegerischen Akt gegeben und woraus resultiert das beidseitige Interesse, diesen Vorfall totzuschweigen und zu begraben?

Etwa aus der Behauptung, Israel hätte die Liberty angegriffen, um einen ägyptischen Angriff auf die USA vorzutäuschen? Damit diese dann zum Kriegseintritt gezwungen wäre? Aber warum haben die USA Israels Erklärung eines versehentlichen Angriffs sofort und ohne Vorbehalt akzeptiert?

War die Regierung in Washington selbst etwa frühzeitig informiert oder sogar beteiligt?

George Golden, der überlebende Chefingenieur der Liberty, brachte etwas mehr Licht in das Dunkel. Er zitierte Gespräche mit NSA-Offizieren, mit denen er in Malta zusammentraf, nachdem das beschädigte Schiff den dortigen Hafen erreicht hatte.

„Wir (wurden dazu bestimmt), erschossen zu werden, damit es so aussehen würde, als hätte Ägypten das getan. Damit hätten die Vereinigten Staaten einen Anlass bekommen, Israel zu helfen.“

Eine ungeheuerliche Behauptung? Vermutlich nicht. Schon allein deswegen nicht, weil dem angegriffenen Schiff über den doch relativ langen Zeitraum des Angriffs und ständiger Notrufe die Hilfe von in der Nähe befindlichen US-Verbänden offensichtlich nicht zuteilwurde.

Besatzungsmitglieder der Liberty sagten später aus, dass die ersten Notrufe um 13.58 Uhr und danach um 14.09 Uhr Ortszeit ausgesandt wurden. Die Angriffe der israelischen Luftwaffe und der Torpedoboote zogen sich über eine Stunde bis etwa um 15.15 Uhr hin.

Der Kapitän des US-Flugzeugträgers Saratoga, Joe M. Tully, erklärte auf die Frage der unterlassenen Hilfeleistung für die Liberty, dass von seinem Schiff 12 Jagdbomber und vier Tankflugzeuge in Richtung der Liberty abgeflogen seien, US-Verteidigungsminister Robert McNamara jedoch persönlich die um 14.24 Uhr aufgestiegenen Kampfflugzeuge zurückbeordert habe, obwohl die Angriffe noch im vollen Gang gewesen seien.

Einer der überlebenden aber schwer verletzten Offiziere der Liberty, Lt Commander David E. Lewis, sagte, ihm wäre noch während seines Krankenhausaufenthalts in einem Gespräch mit dem Befehlshaber der Sechsten Flotte, Admiral Geis, eine Erklärung abgegeben worden.

Geis habe Lewis eröffnet, dass er zum Schutz der Liberty zweimal Flugzeuge aufsteigen lassen habe. Allerdings hätte er beide Male aus dem Weißen Haus den Befehl erhalten, die Flugzeuge zurückzuholen, als sie schon in der Luft waren.

Inzwischen wurde in den Akten über den Fall Liberty in der Lyndon B Johnson-Bibliothek in Austin, Texas, ein streng geheimes Dokument vom 10. April 1967 entdeckt: Das Protokoll einer Sitzung des sogenannten 303-Ausschusses am 7. April 1967, in der die „Operation Cyanide und Projekt Frontlet 615“ diskutiert worden waren. Dabei handelte es sich wahrscheinlich um Code-Namen für eine Bombardierung der Hauptstadt Kairo und den Sturz des Nasser-Regimes.

Der Nachweis für eine solche Absicht kommt von dem damaligen Geschäftsführer der US-Botschaft in Kairo, David Nes. Er sagte aus, dass er am Nachmittag des 8. Juni 1967 eine Nachricht erhalten habe, dass Kampfflugzeuge vom Flugzeugträger USS Saratoga in Richtung Kairo auf dem Weg seien.

Mitglieder der Besatzung der Sechsten Flotte bestätigten diese Angabe später. Sie berichteten, Kairo wäre ursprünglich das Ziel ihrer Flugzeuge gewesen, die angeblich in Richtung der Liberty flogen und zurückgerufen wurden.

Wäre die Liberty wie geplant versenkt worden, so deuten es mehrere Aussagen an, wäre Kairo von den USA Kairo möglicherweise mit Atomwaffen angegriffen worden.

Nur das Scheitern der geplanten Versenkung der Liberty hat diese Katastrophe wahrscheinlich verhindert.

Das Weiße Haus hat die Liberty demzufolge mit der Absicht in das Kriegsgebiet entsandt, dass sie von Israel versenkt werde, so dass die USA, voller „heiliger Empörung“, Ägypten angreifen und das sowjetfreundliche Nasser-Regime stürzen könnte.

Das ist die logische Konsequenz aus allen bislang bekannten Fakten, die das Licht der Öffentlichkeit trotz aller Vertuschungsbemühungen der USA erblickt haben.

Ist es ein Wunder, dass diese Geschichte bis heute noch immer streng geheim gehalten werden soll?

Nein es ist kein Wunder. Schon allein deswegen nicht, weil sich ein solches Vorgehen trotz des Fehlschlags bei der Liberty im Prinzip bewährt hat.

So bleibt in der gegenwärtigen Krise nur abzuwarten, wie eine Begründung für eine mögliche Intervention gegen den Iran aussehen könnte und ob man, mangels begründbarer anderer Vorwürfe und Rechtfertigungen für einen völkerrechtswidrigen Angriff, auf eine Lösung nach der Blaupause „Liberty“ zurückgreift.

Aber die Maske verrutscht zunehmend öfter und angesichts der immer deutlicher erkennbar werdenden Fratze verschwindet, ähnlich wie die Illusion beim Karneval, die Vorstellung von einem wohlmeinenden Weltpolizisten, der nur uneigennützig militärisch in das Weltgeschehen eingreift.

www.conservo.wordpress.com     16.05.2019

Originalartikel bei: Conservo

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