Interview mit Linken-Politiker De Masi: Über Alternativen zum US-Dollar und die Finanzmarkt-Diktatur

Artikel Teilen

Im Interview mit RT Deutsch hat Fabio De Masi, der finanzpolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, die Entwicklung in der Weltwirtschaft hin zur Entdollarisierung kommentiert. Deutschland müsse sich für eine “ausgewogene Weltordnung” einsetzen.

Wie bewerten Sie die politischen Auswirkungen des hegemonialen Einflusses der USA auf die Weltwirtschaft durch die Dominanz des Dollars und von US-kontrollierten Finanzsystemen?


Die USA verfügen über das Privileg der Leitwährung US-Dollar. Frei nach dem Motto “unsere Währung, Euer Problem” können die USA ihre heimische Wirtschaft durch niedrige Zinsen stimulieren – ohne sich etwa dem Druck der Abwertung beugen zu müssen. Die großen Hedgefonds, Investmentbanken, Ratingagenturen sowie die neuen Fintechs wie Facebook mit enormer Datenmacht haben ebenso ihren Heimathafen in den USA. Die Bretton-Woods-Institutionen wie IWF und Weltbank sind ebenso stark US-dominiert. Mit der Finanzmacht geht natürlich auch politische Macht über die Regierungen anderer Länder einher. Allerdings haben die USA als Weltmacht auch immer wieder die Weltwirtschaft unterstützt, Deutschland und Japan nach dem Krieg über die Handelspolitik die Förderung der Industrie gestattet oder über die NATO Verteidigungsgarantien ausgesprochen, um ihren Einfluss über westliche Partner abzusichern. Die zunehmenden Konflikte zwischen US-Präsident Trump und der EU sind ein Zeichen, dass der Deal der Nachkriegszeit aufgekündigt wurde.

Wie sollten sich Deutschland und die EU gegenüber dem allgemeinen Trend hin zur Entdollarisierung des Welthandels verhalten?

Die Eurozone müsste ihre inneren Widersprüche überwinden, um dem Euro stärkeres internationales Gewicht zu verleihen. Die Strategie der Bundesregierung – offene Märkte für deutsche Exporte, aber Waterboarding von Italien & Co. sowie kurze Leine für die EZB – verträgt sich damit nicht.

Welche Möglichkeiten bieten der Aufstieg von Ländern wie China und die zunehmend gleichmäßigere Verteilung von wirtschaftlicher und geopolitischer Macht an Entwicklungsländer in Lateinamerika, Asien und Afrika?


Prinzipiell erweitert der Aufstieg Chinas und weiterer Schwellenländer die Möglichkeiten einer weniger US-dominierten Weltordnung. Dies wird aber nicht ohne heftige Konflikte geschehen.

Wie sollte sich Deutschland/die EU angesichts Initiativen verhalten, die bestehenden US-kontrollierten internationalen Finanzsysteme und -institutionen durch umfassendere Alternativen zu ergänzen?

Deutschland sollte als Mittelmacht zwischen West und Ost Interesse an einer ausgewogenen Weltordnung haben.

Welche Möglichkeiten für die Realisierung innenpolitischer Ziele würde eine größere Diversifizierung im Welthandel und im internationalen Finanzsystem linken und fortschrittlichen Regierungen in entwickelten Ländern, etwa in Europa, bringen?

Linke Regierungen könnten etwa öffentliche Investitionen in die Infrastruktur, eine staatliche Industriepolitik und den Kampf gegen den Klimawandel durch heimische Zentralbanken unterstützen und die Diktatur der Finanzmärkte unterlaufen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Gespräch führte RT Redakteur Dennis Simon

Originalartikel hier: RT Deutsch

Ihnen hat der Artikel gefallen? Helfen Sie uns mit einer kleinen Spende

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.